Mobilitätsmanagement
Das Mobilitätsmanagement ist ein Ansatz zur Beeinflussung der Verkehrsnachfrage durch Information und Beratung und die Organisation verkehrsmittelübergreifender Angebote durch Anreize und Motivierung. Im Gegensatz zur Planung und Bereitstellung von Infrastrukturen oder der gezielten Steuerung von Verkehrsabläufen stehen "weiche" Maßnahmen, d.h. Optionen und Wahlmöglichkeiten für freiwillige Verhaltensänderungen im Verkehr im Vordergrund. Diese beinhalten die Information der Verkehrsteilnehmer über eine gezielte, systemübergreifende Nutzung vorhandener Verkehrssysteme. Ein Beispiel hierfür stellen Mobilitätszentralen dar, welche Informationen über Fahrpläne, Car-Sharing, Mietwagenangebote oder Möglichkeiten der Fahrradnutzung für eine ganzheitliche Mobilitätsberatung bereithalten. Ziel des Mobilitätsmanagements ist die langfristige Bewältigung von Verkehrsproblemen, wie etwa die Reduzierung von Staus, Umweltbelastung, Lärm oder Unfällen, sowie die Sicherung bestehender Mobilitätsansprüche.
Evaluation von Dialogmarketing mit Neubürgern
Die Möglichkeiten zur Beeinflussung des Mobilitätsverhaltens durch Marketingmaßnahmen werden hoch eingeschätzt. Insbesondere dem Dialogmarketing von Neubürgern wird eine hohe Wirkung auf das Verkehrsmittelwahlverhalten zugesprochen, da der Umzug Gewohnheiten und Routinen im Mobilitätsverhalten aufbrechen kann. Bislang gab es jedoch keine empirische Studie, die die kausalen Effekte der Marketingmaßnahme von den umzugsbedingten Verhaltenseffekten zu trennen vermochte. Dadurch hielten sich Verkehrsunternehmen und Städte bislang zurück, in solche Maßnahmen zu investieren.Projektbegleitung: TÜV Rheinland Consulting
Auftragnehmer: ISB, RWTH Aachen / Institut für empirische und angewandte Sozialforschung e.V. , JLU Gießen / omniphon, Leipzig
Praxispartner: MVG, München / Hallesche Verkehrs-AG / ivm GmbH, Frankfurt / Rhein-Main-Verkehrsverbund / traffiQ
Projektlaufzeit: März 2007 bis Juli 2009
Um ein systematisches (nicht lokal bedingtes) und aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen, wurde in drei Städten (München, Halle a.S. und Frankfurt a.M.) die Neubürger, die die Experimentalgruppe bilden, mit Informationen ausgestattet, wie sie sich im Verkehr umweltfreundlich verhalten können:
- Sie erhielten postalisch ein Informationspaket, das so genannte „Neubürgerpaket“.
- Sie wurden aktiv angesprochen und zum umweltfreundlichen Mobilitätsverhalten beraten.
- Sie erhielten ein Informationspaket und erhielten eine Beratung und Motivation.
Es wurde eine soziodemographisch vergleichbare Kontrollgruppe gebildet, die nicht mit diesen Informationen ausgestattet wurden.
Die Befunde belegen, dass die Intervention „Kopplung von Informationspaket und persönlicher Beratung“ zu einer Reduzierung der MIV-Nutzung von -9%-Punkten bei gleichzeitiger Erhöhung der Nutzung der Verkehrsmittel des Umweltverbunds von + 9% Punkten (ÖV: +5%, Rad: +4%) geführt hat. Dabei sind Veränderungen zwischen den Verkehrsmitteln zu beachten. So hat das Informationspaket, MIV-Nutzer zum „zu Fuss gehen“ motiviert, während die Beratung Fußgänger motiviert, den ÖV zu nutzen. Nur bei Informationspaket und Beratung wechseln MIV-Nutzer am stärksten auf öffentliche Verkehrsmittel. Insgesamt kann eine signifikante Wirkung der Kombination aus Informationspaket und Beratung auf die ÖV-Nutzung festgestellt werden.
Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr
Mies-van-der-Rohe-Str. 1
52074 Aachen
Weitere Informationen
Weitere Informationen insbesondere zur Ausgestaltung der Kampagne „München Mobil“ und das Neubürgerpaket können Sie hier downloaden:neubuergerordner1.pdf





