Flexible Bedienungsformen
In ländlich dünn besiedelten Räumen ist ein umfassendes ÖPNV-System wie in Städten und Ballungsräumen nicht wirtschaftlich tragfähig. Zahlreiche Buslinien können nur noch durch den Schülerverkehr aufrechterhalten werden. Flexible, angepasste und nachfragegerechte Bedienungs- und Angebotsformen bilden vielfältige Ansatz- und Gestaltungsmöglichkeiten, um die individuelle Mobilität einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft im ländlichen Raum zu gewährleisten.
Karlsruher Modell: Erfolgreicher Mischbetrieb von Eisenbahn und Straßenbahn
Das Karlsruher Modell ist die Verknüpfung von Straßenbahn und Eisenbahn zur Regionalstadtbahn. Mit modernen Mehrsystemfahrzeugen entstehen zu einem verhältnismäßig niedrigen Investitionsaufwand umsteigefreie und schnelle Verbindungen von der Region direkt in die Innenstadt.
Projektlaufzeit: 09/1992-Stetiger Ausbau
Projektbeschreibung
Mit der Verlegung des Karlsruher Hauptbahnhofes und des Albtalbahnhofs 1913 aus der Innenstadt an den Stadtrand und der drastischen Zunahme des Autoverkehrs in den 60er und 70er Jahren wurde die Benutzung der Bahn durch Berufspendler aus der Region immer unattraktiver. Da die Kapazität von Busverbindungen als Ersatzlösung als nicht ausreichend erachtet wurde um die starken Pendlerströme zwischen Ettlingen und Karlsruhe aufzunehmen, erfolgte die Umstellung auf Normalspur und die Elektrifizierung der bis dahin in Schmalspur betriebenen Albtalbahn zwischen Karlsruhe und Bad Herrenalb. Damit war sie mit Straßenbahnfahrzeugen befahrbar, wodurch eine umsteigefreie Verbindung zwischen Ettlingen und der Karlsruher Innenstadt hergestellt wurde.
Die derart modernisierte Albtalbahn wurde 1961 eröffnet und 1979 und 1989 unter der Integration von 5,9 km Strecken der DB jenseits der Innenstadt nach Neureut und Hochstetten erweitert.
Die Geburtsstunde des "Karlsruher Modells" schlug allerdings erst mit der Inbetriebnahme der 25 km langen Stadtbahnstrecke Karlsruhe-Bretten Ende 1992 mit Zweisystemfahrzeugen. Die eigens hierfür entwickelten Fahrzeuge verkehren auf dem Straßenbahnnetz Karlsruhe (Betrieb mit 750 V Gleichstrom) und gelangen über eine Gleisverbindung in Karlsruhe-Durlach auf die DB-Strecke nach Bretten (Betrieb mit 15 kV Wechselstrom). Diese Fahrzeuge erfüllen sowohl die Anforderungen der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung als auch die der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung. Das "Karlsruher Modell" ist zwischenzeitlich auf eine größere Zahl weiterer Relationen ausgedehnt worden. So bestehen überregionale Verbindungen nach Achern und Freudenstadt im Schwarzwald, Wöth jenseits des Rheins in Rheinland-Pfalz sowie nach Prorzheim und Heilbronn.
Neben der Bequemlichkeit und Pünktlichkeit der Verbindungen sorgte auch eine intensive Presse- und Marketingarbeit im Zuge der Eröffnung der Stadtbahnlinie Karlsruhe-Bretten für den großen Erfolg des Konzeptes. So verzeichnete die Relation seit der Einführung der Stadtbahnlinie einen Fahrgastzuwachs von über 500% im Schienenverkehr.
Anwendungen in Saarbrücken, Chemnitz, Zwickau und Strassburg sowie Planungen in vielen anderen europäischen Städten zeigen, dass das "Karlsruher Modell" mit ggf. lokalen Anpassungen durchaus auch in andere Regionen erfolgreich angewendet werden kann.Kontakt
Karlsruher Verkehrsverbund GmbH
Tullastraße 71
76131 Karlsruhe
0721 / 6107 - 0
Hotline für alle Auskünfte rund um den KVV:
Tel. 0721 / 6107 - 5885
(Mo - Fr von 7:00 Uhr bis 19:00 Uhr, Sa von 7:00 bis 13:00 Uhr)
Fax. 0721 / 6107 - 5889
Wisschenschaftliche Betreuung des "Karlsruher Modells":
TransportTechnologie-Consult Karlsruhe GmbH
Gerwigstrasse 53
D-76131 Karlsruhe
Tel.: +49 (0)721 62503 0
Fax: +49 (0)721 62503 33
E-Mai: info@ttk.de
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