IuK im ÖPNV
Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) wird im ÖPNV gegenwärtig vor allen Dingen bei der Verarbeitung von ÖV-Daten und dem Aufbau elektronischer Ticket-Systeme eingesetzt. Dahinter stehen auf der einen Seite zentrale Anforderungen von Unternehmen und Politik, bestehende Systeme aus Gründen der Wirtschaftlichkeit zu optimieren und zu integrieren. Auf der anderen Seite gilt es, bisher nicht nutzbare Potenziale einer gesamten Branche zu erschließen und diesen Wirtschaftszweig auf lange Sicht zu revolutionieren.
R&R-Pilot
Das vertragliche Regelwerk zur Teilnahme an einem harmonisierten eTicket-Verfahren, die Abwicklung von Zahlungsströmen zwischen Verkehrsunternehmen und vor allem ein Sperrlistenmanagement zur Gewährleistung der Gültigkeit von eTickets stehen bei R&R-Pilot im Fokus der Betrachtung.
Zuwendungsgeber: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Projektträger: TÜV Rheinland Consulting - Zentralbereich Forschungsmanagement
Zuwendungsempfänger: VDV-Kernapplikations GmbH
Projektlaufzeit: 01.06.2008 - 30.06.2011
Projektbeschreibung
Der DIN EN ISO Standard Kernapplikation bildet das Rollenmodell, dessen Spielregeln in der Praxis aufgebaut und erprobt werden müssen. Für die Einführung eines deutschlandweit interoperablen Elektronischen Fahrgeldmanagement (EFM) sind bei den komplexen abrechnungstechnischen und vertraglichen Rahmenbedingungen und Interaktionen zwischen den Unternehmen tragfähige Lösungen aufzubauen und nachhaltig einzuführen. Die in einem EFM-System auszutauschenden Daten stellen für die Unternehmen auch finanziell wirksam werdende Leistungen dar. N
Neben dem Schutz vor Missbrauch sind darüber hinaus Festlegungen zu treffen, nach welchem Schlüssel, in welchem Verfahren die erbrachten und genutzten Verkehrsleistungen der beteiligten Akteure verrechnet werden und welche Transaktionen aus finanztechnischer Sicht dafür erforderlich sind. Zudem muss ein einheitliches, bereits ausgebildetes Teilnahmevertragswerk in seinen Bestandteilen in der Praxis erprobt und verifiziert werden, um zwischen den beteiligten Akteuren eines EFM-Systems ein in der Praxis funktionierendes Vertragswerk zu etablieren, das sämtliche Prozesse absichert.
Die Übertragbarkeit auf alle weiteren Einführungsräume wird über einen multilateralen Austauschprozess gewährleistet, um eine bundesweite Interoperabilität herzustellen und ein vertragliches Standardwerk zu etablieren, dem sich alle zukünftigen Einführungsräume anschließen können. Für den Aufbau eines Systems zur Abbildung der organisatorischen, technischen und vertraglichen Grundlagen auf Basis der Spezifikationen der Kernapplikation bedarf es einer entsprechenden Clearinginfrastruktur für die Pilotregion mit übertragbarem Charakter.
Ein weiterer elementarer Baustein in der Prozessstruktur der Kernapplikation auf dem Weg zur Einführung eines interoperablen EFM-Systems in Deutschland ist die Entwicklung eines zentralen Sperrlistenmanagements. Dieser Kontroll-Service (KOSE) sichert die Funktionalitäten eines EFM-Systems mit Blick auf z. B. Fahrtberechtigungen und Sperrungen von Kundenmedien. Mithilfe dieses automatischen Services wird eine interoperable Anwendung mit der Beteiligung verschiedener Akteure erst ermöglicht. Für die Pilotregion wird ein erster Betrieb konzipiert, spezifiziert und aufgebaut. Auf Basis erster Erfahrungen ist eine anschließende Optimierung vorgesehen, um für eine weitere bundesweite Einrichtung die Weichen (Ausschreibung und Vergabe) zu stellen.
Von den Leistungen des Vorhabens profitiert unmittelbar das Pilotvorhaben, das an der Erprobung der Verfahren beteiligt ist. Gleichzeitig werden die Projekte in den jeweiligen Regionen, die sich bereits in einer Stufe der Einführung befinden, an den Entwicklungen teilhaben. Darüber hinaus können die noch folgenden Projekte, die im Rahmen dieser Förderinitiative oder zu einem späteren Zeitpunkt ein elektronisches Fahrgeldmanagement einführen wollen, von diesen Maßnahmen indirekt profitieren.