Verkehrssicherheit ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Handlungsfelder der Verkehrspolitik. Zwar hat sich z.B. die Getötetenzahl im Straßenverkehr seit den 70er Jahren (ca. 20.000 Getötete) trotz steigendem Verkehrsaufkommen auf ein Viertel reduziert (knapp 5.000 Getötete in 2007), trotzdem bedeutet dies, dass noch fast 14 Personen pro Tag auf Straßen in Deutschland sterben. Deshalb ist und bleibt die Verbesserung der Verkehrssicherheit ein wichtiges Ziel der Verkehrspolitik.
Gespeicherte Sonnenwärme gegen Blitzeis auf Brücken
Mit einer neuartigen Technologie wollen die Ingenieure der Bundeswehr Universität München (UniBWM) Glatteis auf Brücken bekämpfen. Neu ist ein unterirdischer Wärmespeicher, der im Sommer Sonnenenergie einlagert, um diese im Winter gezielt wieder abzugeben.
Projektlaufzeit: laufend
Projektbeschreibung
Brücken, und hierunter insbesondere Stahlbrücken, weisen im Winter ein besonderes Problem auf: Durch den fehlenden Bodenkontakt und die hohe Wärmeleitfähigkeit von Stahl kühlen diese wesentlich schneller aus als die übrigen Straßen. Die Folge ist eine frühzeitige Vereisung und die Bildung von "Blitzeis", welche in der Regel vor dem Beginn des regulären Streudienstes einsetzt. Zur Vermeidung von Beeinträchtigungen der Verkehrssicherheit werden bisher herkömmliche Salzsprühanlagen zur Enteisung eingesetzt. Hiermit verbunden sind jedoch erhebliche Belastungen der Brückensubstanz sowie der Umwelt
Eine material- und umweltschonende Alternative wird seit 1994 in der Schweiz im Rahmen des Projektes SERSO sowie in verschiedenen Projekten in den USA praktiziert. Die schweizer Pilotanlage am Thunersee pumpt im Sommer Wasser durch Rohre, welche 7 cm unter der Fahrbahnoberfläche verlaufen, und leitet dies direkt in einen Felsenspeicher unmittelbar neben der Fahrbahn. Hierdurch heizt sich dieser auf und dient als Wärmespeicher. Im Winter wird der Kreislauf umgedreht; ähnlich einer Fußbodenheizung wird die Brücke beheizt und bleibt eisfrei.
Diese Technik ist hauptsächlich für Stahlbrücken interessant, da diese auf Grund der hohen Wärmeleitfähigkeit des Brückentragwerks schneller auskühlen als Betonbrücken und reguläre Straßen. Problematisch stellen sich allerdings die Kosten der schweizer Pilotanlage dar, welche durch den Einsatz teurer Edelstahlrohre sowie durch die das ganze Jahr hindurch laufenden Pumpen verursacht werden.
Die Entwicklung der Bundeswehruniversität München (UniBWM) setzt daher auf günstigere Kunststoffrohre und kürzere Betriebszeiten. Geheizt werden soll lediglich in der Periode zwischen Frosteintritt und dem Beginn des allgemeinen Streudienstes. Bei der Wahl des Einsatzzeitpunktes ist allerdings ein Vorlauf von einigen Stunden bis zum Erreichen der vorgesehenen Temperatur zu beachten. Durch den Einsatz geeigneter Prognoseverfahren ist dieses Problem jedoch nach Experteneinschätzungen durchaus lösbar. In Aachen wurde nun eine erste deutsche Testanlage installiert, um die Technik und das Material zu beobachten. Mit ersten regulär beheizten Brücken kann ab 2008 gerechnet werden. Ob sich das abgewandelte Verfahren betriebswirtschaftlich rechnet, muss sich jedoch noch zeigen.
Die Technologie ist aber auch ohne Wärmespeicher denkbar, etwa indem die Wärme aus dem Grundwasser genutzt wird oder, nach dem Beispiel der Pilotanlagen in den USA, unter Verwendung integrierter Heizungen. Neben der Heizung im Winter bringt auch die durch obige Verfahren erzielte Kühlung im Sommer Vorteile: So wird der Asphalt weniger weich und könnte eine längere Lebensdauer erreichen.
Weiterführende Informationen zum Thema Brückenmanagement finden sich in den Berichten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) Brüderstraße 53 51427 Bergisch-Gladbach
Telefon: 02204 - 43-0 Fax: 02204 - 43-673 E-Mail: Info-Service und Bibliothek der BASt Internet: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)