Barrierefreiheit
Auch wenn es Ziel sein muss, den Öffentlichen Nahverkehr als eine attraktive Option zum Pkw zu gestalten, so muss es auch Aufgabe des ÖPNV bleiben, den Personen Mobilität zu gewährleisten, die über keinen Pkw verfügen. Gerade für Personen, die aus körperlichen, geistigen oder altersbedingten Gründen keinen Pkw nutzen können, kann sich auch die Nutzung des ÖPNV als schwierig erweisen. Unter dem Stichwort Barrierefreiheit werden deshalb Anstrengungen unternommen, auch diesen Personen die Nutzung des ÖPNV zu ermöglichen oder zu vereinfachen. Barrieren können bauliche Elemente darstellen, aber auch die Vermittlung von Informationen usw.
Das PatenTicket – Modellhafte Mobilitätsdienstleistungen für ältere Menschen durch Empfehlungsmarketing im ÖPNV
Das PatenTicket ist ein Instrument des Empfehlungsmarketings, bei dem ältere Kundinnen und Kunden der Kölner Verkehrsbetriebe, die eine Monatskarte im Abonnement besitzen, eine zusätzliche drei Monate gültige Netzkarte erhalten. Dieses PatenTicket sollen sie an ÖPNV-unerfahrene Freundinnen und Freunde oder Verwandte ab 60 Jahren verschenken und ihnen bei der ÖPNV-Nutzung beratend zur Seite stehen.Zuwendungsempfänger: Kölner Verkehrsbetriebe, Uni Dortmund
Projektlaufzeit: Projektbeginn: 01.09.2006 / Projektende: 31.12.2008
In den nächsten Jahren wird der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland stark zunehmen. Eine wachsende Anzahl der neuen Generation von Senioren und Seniorinnen nutzt aus Gewohnheit und Routine hauptsächlich oder ausschließlich den eigenen Pkw als Fortbewegungsmittel für längere Strecken. Will man den Autoverkehr reduzieren und den ÖPNV-Anteil am Stadtverkehr erhöhen, so sollten Seniorinnen und Senioren dazu bewegt werden, auf den ÖPNV umzusteigen. Die mangelnde Erfahrung mit dem ÖPNV stellt für viele ältere Menschen allerdings eine bedeutende Barriere für die Nutzung des ÖPNV dar, selbst wenn sie sich grundsätzlich vorstellen könnten (z.B. aus gesundheitlichen Gründen), das Auto öfter stehen zu lassen. Das Projekt hatte sich zum Ziel gesetzt, die Barrieren der älteren Verkehrsteilnehmer für die Nutzung des ÖPNV zu reduzieren. Im Rahmen des Vorhabens erhielten deshalb ältere ÖPNV-Stammkunden und -kundinnen, die über eine Zeitfahrkarte verfügen, für drei Monate eine weitere Zeitfahrkarte (das so genannte Patenticket), die sie befreundeten Seniorinnen und Senioren kostenlos zur Verfügung stellen konnten. Die Idee ist, dass die erfahrenen ÖPNV-Nutzer als Paten ihrem „Patenkind“ ein Ticket schenken und sie bei der Nutzung von Bussen und Bahnen begleiten. Mit Hilfe der ÖPNV-Stammkunden sowie mit weiteren Informationsveranstaltungen sollte den gewohnheitsbedingten PKW-Fahrern der Umstieg auf den ÖPNV näher gebracht und erleichtert werden. Die „Patenkinder“ sollten positive Erfahrungen mit den Vorteilen des ÖPNV sammeln:- höhere Wahlfreiheit / zusätzliche Mobilitätsoption
- höhere Beweglichkeit (zu Fuß zur Haltestelle)
- Kommunikationsort
- bessere Erreichbarkeit zentraler Einrichtungen
Die gesamten Aktivitäten im Rahmen des Projektes (z.B. Anwerbung der Paten und ihrer Freunde, Schulungen zur ÖPNV-Nutzung, Mobilitätsverhalten während des 3-monatigen Probe-Abos) wurden von der Uni Dortmund wissenschaftlich begleitet. Im Rahmen des Projektes haben sich das Empfehlungsmarketing und das Patenschaftsmodell als erfolgreicher Ansatz erwiesen, um
- die Mobilität von Seniorinnen und Senioren zu erhalten und zu verbessern,
- eine umweltverträgliche Mobilität zu fördern,
- Kundenbindung und Kundengewinnung für die Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren zu betreiben.
Denn die projektbegleitende Evaluation hat gezeigt, dass durch das PatenTicket
- zahlreiche MIV-Wege auf den ÖPNV verlagert wurden.
Beispielsweise nutzten 66 % der Patenkinder mit fast ständiger Autoverfügbarkeit ihr Auto mindestens zweimal pro Woche. Während der Projektzeit, in denen sie ein Patenticket verfügbar hatten) waren es nur 48 % - zusätzliche und längere Wege unternommen wurden.
Profitieren konnten hier vor allem Patenkinder, die nur über geringe Mobilitätsressourcen verfügen - Vorurteile überwunden und Kenntnisse erworben wurden.
Hierzu gehören z.B. Kenntnisse über die Bedienung eines Fahrscheinautomaten, Abbau von Unsicherheitsgefühlen bei der Nutzung des ÖPNV - Verhaltensroutinen verändert wurden.
Gut ein Drittel der Patenkinder haben sich direkt nach Projektende einen Zeitfahrausweis gekauft. Ca. weitere 20 % äußerten die Absicht, dies noch zu tun. General gaben die Patenkinder an, den ÖPNV nach Abschluss des Projektes öfter nutzen zu wollen, was zu weiteren Ticketkäufen führt
- Bereitstellung kostenloser Netzkarten mit mehrmonatiger Gültigkeitsdauer,
- Eine gute ÖPNV-Infrastruktur,
- Angebot eines SeniorInnentickets oder zumindest einer anderen attraktiven Zeitkarte,
- Verfügbarkeit und Bereitstellung von Kontaktdaten potenzieller Patinnen und Paten,
- Entwicklung einer zielgruppengerechten Ansprache,
- Durchführung von Informationsveranstaltungen für PatInnen und Patenkinder,
- Durchführung einer Kurzevaluation.
Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung
Technische Universität Dortmund
August-Schmidt-Straße 4
44227 Dortmund
Telefon: 0231 755 2270
E-Mail: christian.holz-rau@uni-dortmund.de Ansprechpartnerin: Dipl.-Ing. Dipl.-Verw. Birgit Kasper
Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung
Technische Universität Dortmund
August-Schmidt-Straße 4
44227 Dortmund
Telefon: 0231 755 2270
E-Mail: birgit.kasper@uni-dortmund.de Praxispartner: Jürgen Toepsch
Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB)
Scheidtweilerstraße 38
50933 Köln
Telefon: 0221 547 1212
E-Mail: juergen.toepsch@kvb-koeln.de
Weitere Informationen
Kasper, B.: Schubert, S.; Toepsch, J. (2008): Still young enough to learn – How to grow information and competence for multimodal mobility of old-age people. In: Anderl, B.; Arich-Gerz, B.; Schmiede, R. (ed.): Technologies of Globalization. International Conference. Darmstadt, S. 366-387.Holz-Rau, C.; Kasper, B.; Schubert, S. (in Vorbereitung): Das PatenTicket – Konzept und Ergebnisse. In: Der Nahverkehr, Heft 1/2 2009.
Konferenzbeitrag beim 12th European Roundtable on Sustainable Consumption and Production (erscp2008) (B. Kasper, J. Toepsch): “Sustainable without Sacrifice! Mobility Management to Change Mobility Behaviour of Elderly People” am 23.-25. September 2008 in Berlin: www.fona.de.
Konferenzbeitrag bei der International Conference “Technologies of Globalization (TOG) (B. Kasper, S. Schubert, J. Toepsch): „Still young enough to learn – How to grow information and competence for multimodal mobility of old-age people” am 30./31. Oktober 2008 in Darmstadt: www.tog08.org.
Beitrag bei der Verkehrssicherheitskonferenz “Verkehrssicherheit im Dialog” – Arbeitsgruppe 3 “Im Alter sicher mobil bleiben” des Landes Brandenburg – Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung, (B. Kaspar): „Im Alter sicher mobil bleiben. Ansprüche an Mobilität und Verkehrssicherheit der Zielgruppe“ am 13. November 2008 in Potsdam
Darstellung von Projektergebnissen des PatenTickets im VPLetter, Heft 13, Dezember 2008, dem elektronischen Newsletter des Fachgebiets VPL mit rund 500 AbonnentInnen: http://www.raumplanung.uni-dortmund.de/vpl/dienst/de/content/download/files/files.php?id=17.
Aktualisierung der Projektdarstellung auf der Homepage des Fachgebiets VPL der TU Dortmund: http://www.raumplanung.uni-dortmund.de/vpl/dienst/de/index.html.





